Peggy und Marco Lachmann-Anke - Pixaby - Mittelfinger - (Pixabay CC0 Public Domain)

Uns wurde vorgelebt, dass in unserer Gesellschaft Erfolg und Macht wichtiger sind, als der soziale Zusammenhalt. Ein kleiner Appell an all diejenigen da draußen, die mit dem ausgestreckten Stinkefinger herumlaufen. “Shut the Fuck Up“ und werdet wieder Teil der Gemeinschaft.

Eine kurze Szene aus dem morgendlichen “Wir fahren mit dem öffentlichen Nahverkehr zur Arbeit”: Der Bus / die Bahn hält, die Türen gehen auf, aussteigende Menschen müssen sich durch eine Wand von Einsteigewilligen hindurchschlängeln. Während die eine Hälfte noch am Aussteigen ist, wird auf der anderen Seite schon in das Fahrzeug hineingedrängelt.

Innen erwartet den Mitfahrwilligen ein ewig gleiches Spiel. Mitreisende stehen erst einmal im Weg, neu Eingestiegene gesellen sich hinzu, während im Wageninneren genug Stehraum frei wäre. Möglichst nah an den Türen zu bleiben scheint etwas mit einem uralten Fluchtinstinkt zu tun zu haben, anders ist das nicht zu erklären.

Bei sitzdenden Einzelreisenden befindet sich auf dem Platz neben ihnen meist eine Tasche oder ein anderes tragbares Objekt. Sollte sich jemand erdreisten für sich diesen Platz zum Sitzen zu beanspruchen, selbst durch freundliches Nachfragen, gibt es von dem Gegenstandsbesitzer meist ein abfälliges Schnauben und ein gestenreiches “Wenn es denn sein muß”.

Beim Aussteigen ein ähnliches Bild. Wer zu weit in das Wageninnere vorgedrungen ist, der wird sich durch eine Wand im Weg stehender Menschen bewegen müssen, begleitet von zu Mittelfingern gewordenen Blicken was einem denn einfällt…

Nur eine Szene, eine alltägliche. Statt Menschen Platz einzuräumen oder ihnen entgegenzukommen, werden sie durch Gesten und Gehabe geradezu verachtet. Ihnen wird ein Stinke-“du bist zweitklassig”-finger mitten in den Sichtbereich gehalten. Und dies passiert auf jeder Ebene unserer Gesellschaft, auch politisch.

Eine Regierung fordert ihre Bürger auf mehr für den späteren Lebensabend, allgemeinhin bei uns Rente genannt, zur Seite zu legen. Bei Geringverdienern die schon jetzt kaum einen Cent zur Seite legen können um sich gesund zu ernähren, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben oder sich einfach mal eine Kleinigkeit zu gönne, kaum bis gar nicht möglich. Mittelfinger.

Gleichzeitig werden immense Summen zur Verfügung gestellt, und ausgezahlt, um Banken und Wirtschaftsbetriebe am Leben zu erhalten. Mittelfinger.

Der Staat erwartet von seinen Bürgern zu den weitreichendsten transnationalen Freihandelsabkommen, dass diese hingenommen werden. Er erlaubt aber weder vollkommene Einsicht in die Vertragsinhalte, noch Mitsprache. Mittelfinger.

Auf allen Ebenen gibt es Mittelfinger die aufgezeigt werden, die Menschen, die es nicht direkt ändern können aber unmittelbar betrifft, verärgern. Doch all diese Aktion haben auch eine unmittelbare Reaktion. In den öffentlichen Verkehrsmitteln ist es ein mit-rempeln, ein mit-drängeln, ein mit-im-Weg-stehen, oder ein mit-den-Platz-nebenan-blockieren.

In der Politik ist es der “Denkzettel” an “die da oben”, das “jetzt mal mit Krawall”, die “denen muss es mal einer zeigen” Reaktion. Das Ankreuzen von AFD als politische Rache, oder das Wählen eines Menschenfeindes wie Trump. Das Radfahrer-Prinzip (nach unten treten) durch ein simples Kreuz einfach mal umdrehen, den Mittelfinger zu strecken und zu erheben.

Einfache Lösungsangebote, die eine schnelle umfassende Verbesserungen für alle bringen, sind illusorisch. Wenn wir also eine Gesellschaft wollen, in der Populisten nicht belohnt werden, dann müssen wir zusammen an Lösungen arbeiten. Dann müssen wir den “Rattenfängern der Angst” etwas entgegensetzen.

Und das kann jeder sofort, unkompliziert und einfach beginnen. Wer Populismus verhindern will, muss bei sich anfangen; ohne Mittelfinger. Aber für einander.

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  • Peggy und Marco Lachmann-Anke – Pixaby – Mittelfinger – (Pixabay CC0 Public Domain): Link zur Bildquelle